PatientInnen berichten

Lesen Sie über die Erlebnisse und Diagnose von Kathrin in ihrem PAN-Blog.

Schwarze Flecken & die Angst (2014-04-10)

Um einem besonders netten Menschen meine Liebe zum niedergeschriebenen Wort zu veranschaulichen, lese ich die ersten 10 Seiten meines Tagebuchs, das ich Anfang 2012 angefangen habe, um mir bewusst zu werden, welche intimen Details ich von meinem neuen Leben einer diagnostizierten Krebspatientin preisgebe.
Ich will genau wissen, was ich ihm anvertraue und vor allem, zumute. Während des Lesens wird mir klar, wie fremd mir die Autorin nun erscheint. An meinem Schreibstil wird bemerkbar welche Entwicklungsphasen ich durchlebt habe. Einer des mir nun leider etwas in Vergessenheit geratenen Gefühles ist, diese fast schon wahnsinnige Gier nach Leben oder genauer gesagt nach Überleben.
Dieser Ausnahmezustand des Überlebens macht einen Menschen zu einem ganz anderen, so sehr anders, dass man sich selbst nicht wieder erkennt.
Die Faszination Gefühle und Gefühlsebenen zu beschreiben und nieder zu schreiben ist mir Gott sei Dank geblieben.
Nun, als ich die fast schon unscheinbaren Zeilen von den schwarzen Flecken der Physalisfrucht las, überkam mich geballt diese traurige Realität, der ich mich tagtäglich seit Diagnosefindung stellen muss.

„Ich schäle Physalis und ein paar davon haben einen schwarzen Fleck. Ich werfe sie sofort weg. Es erinnert mich an Krebs. Ich habe auch einen schwarzen Fleck. Nur werde ich mich nicht wegwerfen.“

Nicht aufgeben ist bis heute 1,5 Jahre nach Chemotherapie mein Lebenselixier geblieben, genauso treu wie mein Handy-Hintergrundbild wo geschrieben steht: „I’m not giving up“.
Was denn sonst?
Eine andere Art weiter zu leben gibt es für mich nicht. Auch wenn ich noch oft genug in mein Loch voller Angst und Depression, voller Angst und Leid, voller Angst und Pessimismus, falle. Habe ich die Angst schon erwähnt?
Die Angst als ständiger Begleiter. Wenn die liebe Angst nicht wäre, was wäre dann?
Die Angst als Schutzmechanismus für unsere Psyche und Einleitung zum Fluchtverhalten. Sie hat also einen Sinn, auch wenn sich Angst auf verschiedenste Weise bemerkbar macht, sollte man sie trotzdem nicht verdrängen. Ist es denn nicht der Mut, der Angst ins Auge zu sehen, der uns auch am Leben hält?
Wir wissen, dass wir nicht von allem davon laufen können, deswegen bleibt uns oft nichts anderes übrig als uns der Angst zu stellen.