European Society for Medical Oncology in Madrid

Der zweijährlich stattfindende Kongress der European Society for Medical Oncology (ESMO) wurde von 26. – 30. September 2014 in Madrid abgehalten und zählt mit seinen 20.000 TeilnehmerInnen zu einem der bedeutendsten onkologischen Kongresse in Europa.  Dabei wurden eine Vielzahl neuer Studienergebnisse und nachfolgende Analysen von früheren Studienergebnissen vorgestellt.

Brustkrebs

Es konnte durch die Auswertung der Studien CLEOPATRA, HERNATA und VELVET, bei PatientInnen mit HER2-pos metastasiertem Mammakarzinom eine Verlängerung der Überlebenszeit durch die Gabe von  Pertuzumab + Trastuzumab + Docetaxel  im Vergleich zu Trastuzumab + Docetaxel  alleine, in der 1stline Therapie aufgezeigt werden. (ESMO Abstract 361PD [1])

Prostatakarzinom

Bei Patienten mit metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakarzinom konnte in der Studie COU-AA-302 durch die Gabe von Abirateron in der 1stline Therapie ein längeres progressions- (rückfall-)freies Überleben nachgewiesen werden. (ESMO Abstract 753O[2])

Lebensqualität

Der Kongress spiegelt aber auch das Bedürfnis der PatientInnen nach mehr Lebensqualität während und nach einer Krebsbehandlung wider. Es konnte in einer Subgruppenanalyse der Studie 19 bei Ovarialkarzinom mit BRCA-Mutation gezeigt werden, dass durch die Verabreichung von Olaparib als Erhaltungstherapie für 55,6 % der StudienteilnehmerInnen die Lebensqualität unverändert blieb und bei 27% sogar verbesserte. Gleichzeitig konnte die progressionsfreie Überlebenszeit verlängert werden. (ESMO 885PD[3])

Nebenwirkungen

Trotz der laufenden Verbesserungen in der Krebsbehandlung wird die Chemo- oder Hormontherapie bei etwa 500 von 8000 PatientInnen aufgrund von Nebenwirkungen abgebrochen. Am ESMO-Kongress wurden dazu Daten aus fünf europäischen Ländern von Rheena Khanna aus London vorgestellt. Die abgebrochenen Therapien waren 87 % Chemo- und 13% Hormontherapien, bei Brust- Dickdarm und Lungenkarzinomen. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Neutropenie (36%), Übelkeit/Erbrechen (23%), Neuropathie (17%) und Schleimhautentzündungen (15%). Bei den Hormontherapien waren Schmerzen die häufigste Ursache für eine vorzeitige Beendigung der Therapie. (ESMO 1551P[4])

Daraus lässt sich neuerlich ableiten, wie wichtig die Verabreichung von supportiven (begleitenden) Therapien und die konsequente Einhaltung für die betroffenen PatientInnen ist. Die PatientInnen sind dabei immer wieder zu ermuntern, diese begleitenden Therapien einzufordern. Eine gelungene Arzt-PatientInnen-Kommunikation ist dabei für den Behandlungserfolg essentiell. Dazu zählt ebenso die psycho-onkologische Unterstützung.

Die Studie kann für alle ÄrztInnen auch als ein „Wieder-ins-Bewusstsein-Rufen“ verstanden werden, alle zur Verfügung stehenden begleitenden Therapieoptionen zu vergegenwärtigen, um einen möglichen Therapieabbruch zu verhindern.

© ESMO

Ungleicher Zugang zu Krebstherapien

In zwei neuen Studien wurde am ESMO-Kongress aufgezeigt, dass der Zugang zu Krebsmedikamenten in den USA, Kanada und Europa sehr unterschiedlich ist, unter anderem aufgrund der unterschiedlichen Dauer bis zur Zulassung.

Sunil Verma und Nardin Samuel haben in einer Studie die Dauer bis zur Zulassung bei 41 Krebssubstanzen in den Ländern verglichen. Es hat sich dabei unter anderem ergeben, dass im Schnitt die Zulassungszeit für das für Blutkrebs zugelassene Azactidin bei der United States Food and Drug Administration FDA (USA) um sechs Monate kürzer war als durch die European Medicines Agency EMA (EU) und 7,6 Monate kürzer als in Kanada. Dabei ist es ein Grundrecht des Menschen, in bestmöglicher Gesundheit zu leben und für an Krebs erkrankten Menschen ist der Zeitfaktor oft eine Frage des Überlebens. (ESMO 10360_PR[5])

Für eine Verkürzung der Zulassungsdauer müssen Gespräche zwischen Industrie, Behörden, Forschungsinstitutionen, PatientInnenvertretungen intensiviert werden. Dabei muss ein optimales Gleichgewicht gefunden werden, zwischen einer verkürzten Zulassungszeit und der Sicherheit der Medikamente in der Anwendung an dem/der PatientIn. 

Felipe Ades aus Brüssel hat in einer Untersuchung nachweisen können, dass Patientinnen in Osteuropa einen schlechter mit Trastuzumab (bei HER2 positiven Brustkrebs) versorgt werden, als Patientinnen in den USA und Westeuropa. Es betrifft hier etwa 20 % aller Brustkrebsfälle, die durch die schlechtere Versorgung einen Einfluss auf das Überleben dieser Frauen ausüben. Dabei konnte gezeigt werden, dass in den osteuropäischen Ländern nicht ausreichend Trastuzumab eingekauft wurde, um die betroffenen Patientinnen in allen Fällen zu versorgen.

Die Überlebensrate steht nachweislich in einem direkten Zusammenhang zu den Gesundheitsausgaben – je höher die Ausgaben, desto höher auch die Überlebensrate in den untersuchten Ländern.  (ESMO 1387PD_PR[6])

Zusammenfassend

…ist für Europa ein gleicher Zugang zu Krebsmedikamenten zu fordern, einheitliche Zulassungsprozesse bei neuen onkologischen Medikamenten sowie ein gewissenhafter Einsatz von supportiven Therapien, um Nebenwirkungen in der Krebsbehandlung so weit wie möglich zu reduzieren, zugunsten des Behandlungserfolgs und der Lebensqualität.

ESMO steht für die Förderung und Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse in der Krebsbehandlung mit Publikationen in einem der wichtigsten Journale auf dem Gebiet der Onkologie – Annals of Oncology.  

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Quellen:  

[1]  ESMO 361PD Andersson et al, Interim safety and efficacy of Pertuzumab, Trastuzumab and Vinorelbine for first-line treatment of patients with her2-poitive locally advanced or metastatic breast cancer

ESMO 753O Ryan et al, Final survival analysis of COU-AA-302, a randomized phase 3 study of Abiraterone acetate in metastatic castration-resistant prostate cancer patients without prior chemotherapy

3 ESMO 885PD  Ledermann et al, Health-related quality of life during olaparib maintance therapy in patients with platinum-sensitive reapsed serous ovarian cancer and a BRCA mutation

ESMO 1551P_PR – Khanna et al, Patterns of patients stopping their anti-cancer drug due to its associated side effects in France, Germany, Italy, Spain and UK (EU5)

ESMO 1036O_PR – Samuel et al, Cross-comparison of cancer drug approvals among international regulatory bodies

6 ESMO 1387PD_PR  Felioe et al,  Are life-saving anticancer drugs reaching all patients? Patterns and discrepancies of trastuzumab use in the European Union and the USA