Komplementäre Medizin

Fragen an Dr. Christian Kellner
erarbeitet von Charlotte, Paulina und Sandra am 5.5.2014



Was ist Komplementär-Medizin?

Unter Komplementär-Medizin kann man eine Erweiterung des diagnostisch-therapeutischen Ansatzes verstehen, bei dem das Individuelle eines Patienten - und seiner Erkrankung – in einem hohen Maß mit einbezogen wird. Diese Vorgangsweise eint die drei großen rezenten komplementär-medizinischen Schulen: Traditionelle Chinesische Medizin, Klassische Homöopathie und Anthroposophische Medizin. 

Beispielsweise werden einen anthroposophischen Arzt über das normale diagnostisch-therapeutische Vorgehen hinaus die individuellen Umstände des Auftretens einer Erkrankung interessieren. Es ist für den komplementären Ansatz beispielsweise wichtig zu wissen, ob/welche Lebensumstände die Beschwerden ausgelöst haben (etwa Stress, Kummer oder falsche Ernährung), in welchem Lebensalter sie auftreten und/oder von welchen individuellen Allgemeinsymptomen sie begleitet sind. 

In der Therapie kommen Arzneien aus allen drei Naturreichen (Mineralien, Pflanzen, Tiere) zum Einsatz, die diesem individuellen Zusammenhang therapeutisch gerecht werden. Die Anthroposophische Medizin hat darüber hinaus eigenständige pharmazeutische Präparationen und verfügt mit den Kunsttherapien, der Heileurythmie und den Äußeren Anwendungen (z. B. der Rhythmischen Massage) über ein weites zusätzliches therapeutisches Angebot.


Was ist der Unterschied zwischen Komplementär-Medizin und Alternativ-Medizin?

Der Begriff Alternativ-Medizin sollte heute nicht mehr gebraucht werden. Ein verantwortungsbewusster Arzt wird immer auf der Basis der gegenwärtigen Universitätsmedizin ein pathologisches Geschehen beurteilen und die aktuellen standardisierten Therapien kennen. Nur auf dieser Basis kann er seine ärztliche Kunst erweitern und der Individualität seiner Patienten zusätzlich Rechnung tragen. 


Sind komplementärmedizinische Maßnahmen bei onkologischen Erkrankungen wichtig/sinnvoll?

Bei einer schwerwiegenden Erkrankung muss ein therapeutischer Ansatz allen Ebenen des Menschen gerecht werden. 

Der erste Schritt bei einer Krebserkrankung ist immer die zeitgemäße medizinische Versorgung (Chirurgie, Strahlentherapie, Internistische Therapie) an einem onkologischen Zentrum. Dieses Vorgehen hat die Reduktion der Tumorzellen im Focus. 

Die Komplementär-Medizin hat das Ziel, den Organismus des Patienten so zu therapieren, dass - im Idealfall – dieser seine Gesundheit aus sich selbst heraus wieder herstellen kann. Das ärztliche Vorgehen für die Erreichung dieses Zieles muss sich sinngemäß an dem einzelnen Menschen orientieren und nicht nur an der Tumorzelle. 

Die Anthroposophische Medizin verfügt neben den Mistelpräparaten auch – wie oben angeführt – über eine Vielzahl an speziellen Therapieverfahren. Die gute Wirkung der Misteltherapie bei Tumorpatienten ist auch in modernen Studien gut belegt.

Diese beiden divergierenden Ansätze, Tumorzell-Reduktion und am Individuum orientierte Therapie, ergänzen einander sinnvoll.


Kann die Komplementär-Medizin die Schulmedizin ersetzen?

Wie oben ausgeführt ist ein „Ersatz“ prinzipiell nicht möglich.
 

Behandelt die Komplementär-Medizin psychische Probleme?

Das Seelenleben ist ein hochindividuelles Charakteristikum des Menschen. Wie ein Mensch denkt, fühlt und will, ist für die komplementäre Medizin in ihrem individuellen Vorgehen unverzichtbar zu erfahren. Gibt es in diesem Bereich neben charakteristischen (beispielsweise ein cholerischer Mensch) auch pathologische Erscheinungen (wie etwa Depressionen), so ist das selbstverständlich auch Gegenstand einer therapeutischen Intervention.


Wie wirken sich komplementärmedizinische Maßnahmen auf Körper, Geist und Seele aus?

Der Mensch hat diese drei Ebenen – Körper, Seele und Geist – als eigenständige, aber zusammengehörende Entitäten. Erkrankung besteht immer aus der Irregularität in der Interaktion dieser Entitäten und eine menschengemäße Therapie wird daher alle Wesensebenen miteinbeziehen und in ihrer Entwicklung fördern. 


Wann ist der geeignete Zeitpunkt für komplementärmedizinische Maßnahmen?

Ein therapeutisches Vorgehen sollte immer beide Ansätze vereinen: einen objektiven („schulmedizinisch“) und einen individuellen („komplementär“).

Können komplementärmedizinische Maßnahmen schulmedizinische Maßnahmen beeinträchtigen/stören?  

Ein verantwortungsbewusster Arzt kennt die Grenzen jedweder Methode – ob „schulmedizinisch“ oder komplementär – und kann auch Interaktionen beurteilen. Eine Beeinträchtigung oder Störung ist dadurch ausgeschlossen. 

 
Gibt es allgemeingültige Empfehlungen für komplementärmedizinische Maßnahmen?

Sie in Anspruch zu nehmen! Von einer seriösen komplementär-medizinischen Therapie wird ein Patient immer profitieren.


Wie finde ich für mich geeignete komplementärmedizinische Methoden?

Information ist heutzutage sehr leicht zu bekommen und der Patient kann aus einem reichen Angebot individuell wählen. 

Anthroposophische Medizin: www.anthromed.at
Homöopathie: www.aekh.at, www.homoeopathie.at
TCM: OGKA.at


Wie erkenne ich, ob komplementärmedizinische Maßnahmen seriös sind?

Die Fachrichtung des Arztes, seine komplementären Ausbildungen und die Länge seiner Praxiserfahrung sind leicht zu erfragen. Die komplementäre Medizin ist heute leider noch immer überwiegend eine privat zu bezahlende Leistung. Eine seriöse Therapie ist aber immer finanzierbar!


Gibt es komplementärmedizinische Maßnahmen, die die Nebenwirkungen von Chemo- und Strahlentherapie zu mildern?

Je nach komplementär-medizinischer Richtung gibt es eine Vielzahl von wirksamen Begleittherapien. Beispielsweise ist die Wirkung der Misteltherapie in der Reduktion der Nebenwirkungen von Chemo- und Strahlentherapie sehr gut dokumentiert.


Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für komplementär-medizinische Maßnahmen?

Überwiegend ist das leider nicht der Fall. 
Ausnahme: Die Kosten für Mistelpräparate werden häufig übernommen. 

 

Können Sie bitte den besonderen Ansatz der anthroposophischen Medizin beschreiben?


Das Besondere an der Anthroposophischen Medizin ist die wissenschaftliche Betrachtung des Menschen nach drei eigenständigen Entitäten: Körper, Seele und Geist. 

Für eine gesunde Entwicklung des Individuums wurde aus der Anthroposophie eine zeitgemäße Pädagogik (Waldorf-Pädagogik), Ernährung (biologisch-dynamischer Landbau, Demeter-Bund) und Medizin (Anthroposophische Medizin mit allen oben erwähnten Besonderheiten) gestaltet. Keine andere medizinisch-komplementäre Richtung hat diesen breiten und zeitgemäßen Ansatz.   


Fragen zur Misteltherapie

Bitte erklären Sie die Wirkungsweise der Misteltherapie!

Die systemische Misteltherapie hat den gesamten Organismus des Krebspatienten als therapeutisches Ziel. Es soll nicht nur eine Tumorzelle vernichtet werden, sondern der Organismus wieder seine Autorität in der Kontrolle pathologischer Wachstumsprozesse erlangen und das eigenständige Wachstum von Krebszellen unterbinden. Die Mistel – in der besonderen pharmazeutischen Zubereitung der anthroposophischen Mistelpräparate – ist ein Spezifikum für die Krebserkrankung, verbessert die Immunkompetenz, den Wärmehaushalt und die Regenerationsfähigkeit des Patienten. 

Es ist deshalb bei einer Misteltherapie auch eine Verbesserung des Allgemeinzustandes, der Leistungsfähigkeit und des Schlafes feststellbar. 

Weitere Informationen für Interessierte: www.mistel-therapie.de


Wie lange dauert die Misteltherapie?

Die Dauer einer Misteltherapie in der adjuvanten (ergänzend oder unterstützend nach erfolgreicher Operation) Krebstherapie beträgt durchschnittlich 5 Jahre. 

Als eine palliative (Verbesserung der Lebensqualität) Therapie ist sie lebensbegleitend.


Nach welchen Gesichtspunkten wird der Wirtsbaum der Mistel ausgesucht?

In die Wahl des Wirtsbaumes fließen objektive (Tumor-Art, histologische Parameter, Stadium) und individuelle (Geschlecht, Alter, Allgemeinzustand, Vorerkrankungen) Gesichtspunkte ein. Unterschiedliche Wirtsbäume, pharmazeutische Zubereitungen und Dosierungen ergänzen die Wahl des Wirtsbaumes.

 

Lebenslauf von Dr. Kellner:
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